Märchenhafte Pfannkuchen

„Ich esse meine Suppe nicht!“, und die Faust schlug wütend auf den Tisch.
Plitz plotz sprangen die Erbsen, die doch in der Suppe landen sollten, überall herum und entwischten den flinken Augen der Köchin. Der Suppenkasper hatte ja keine Ahnung, dass er in seiner Wut nicht nur sich selbst sondern auch eine leibhaftige Prinzessin ins Unglück stürzte! Diese war aus einem fernen Land gerade angereist und am Abend müde und dankbar für das so gemütlich vorbereitete Nachtlager. Als sie sich aber zur Ruhe betten wollte, da drückte es und zwickte es im Rücken ganz fürchterlich. Sie wälzte sich von der linken auf die rechte Seite und wieder herum. Was konnte das nur sein?

Nachtwache unter funkelnden Sternen und Silbermond

Vor hier oben hatte sie eine gute Aussicht auf das königliche Tal, auch der Mond erschien ihr ganz nah und deutlich. Was sie aber nicht sehen konnte war, dass eine kleine, knallharte Erbse geradezu in den Matratzenstapel gesprungen war. Nun lag sie schelmisch dort und peinigte die Prinzessin. Als der Nachthimmel schon ganz tiefblau war und die Sterne funkelten, da setzte sich die Prinzessin missmutig auf und beschloss mit Mond und Sternen gemeinsam über die Nacht zu wachen. An Schlaf war diese Nacht nun sowieso nicht mehr zu denken.

Die Schäfchen, von denen sie schon Hunderte gezählt hatte, erbarmten sich und sprangen kurzerhand hinunter zur Erde um ihr Gesellschaft zu leisten. Mit flinken, geschickten Fingern drehte die Prinzessin ihnen das Fell zu glänzenden Löckchen und zupfte ihnen die Ohren zurecht. Der Mond schien freundlich und gut gelaunt auf das Trüppchen hinunter. (Er hatte ja am gut Tag geschlafen!) Geradeso, als wollte er sagen: „Am Ende wird alles gut.“ Und so geschah es ja auch, wenn auch nicht für den Suppenkasper.

Pfannkuchen mit Sahne und einem Klecks Erdbeermarmelade

Am nächsten Morgen, als der König schon beim Rasieren von den Strapazen der Prinzessin erfuhr, befahl er, alle Erbsen des Reiches einzusammeln und in die Küche zu bringen. Dort wurden sie schnurstracks von der Köchin in die Suppe geworfen. Es waren so viele Erbsen, dass die Magd den größten Topf hatte hervor-kramen müssen. Als die köstliche Suppe fertig war reichte sie für alle großen und kleinen Leute im Königreich.

Zum Nachtisch gab es Pfannkuchen mit Sahne und einem Klecks Erdbeermarmelade*! Der König war nämlich voller Freude darüber, dass die Prinzessin und sein Sohn sich verlobt hatten und schon am nächsten Donnerstag heiraten wollten. Die Prinzessin, die nach einem Mittagsschlaf nun über alles lachen konnte, verkündete ihre erste Anordnung. Nämlich die, dass es auch zur Hochzeit Erbsensuppe mit Pfannkuchen geben sollte und überhaupt an jedem Donnerstag! Hurra, hurra!

Soweit also die märchenhafte Spekulation wie es dazu kommt, dass die Schweden an Donnerstagen zum Mittagessen ein kombiniertes Gericht aus Erbsensuppe und Pfannkuchen mit Marmelade* und Sahne servieren. Was für Besucher oftmals nach einer kulinarischen Kuriosität klingt, ist eine in Schweden weitverbreitete Tradition.

Ihren Ursprung hat sie wahrscheinlich im mittelalterlichen Fasten am Freitag, dem folgerichtig ein Donnerstag der Völlerei voranging. Gelbe Erbsen waren in
jener Zeit eine festliche Alternative zu Kohl und Rüben und in der Suppe besonders lecker mit Schweinefleisch. Auch in heutigen Rezepten gehört dieses unbedingt dazu. Diese „ärtor med fläsk“ waren August Strindbergs Leibgericht und er pries sie als Speise der Götter wie die Griechen ihr Ambrosia.

Pfannkuchen mit Erbsensuppe

Erbsensuppe am Donnerstag, zum Sterben unwiderstehlich

Richtig hochleben lässt man die Erbsensuppe mit einem Nachtisch aus Pfannkuchen. Diese waren wohl damals die Krönung einer Festmahlzeit und haben seitdem nicht an Beliebtheit verloren. Auch heute noch werden Erbsensuppe und Pfannkuchen donnerstags in vielen schwedischen Restaurants als traditionelles und in aller Einfachheit leckeres Mittagessen serviert.

In 800 Jahren weiß man nur von einem einzigen Schweden, dem die Erbsensuppe nicht bekommen ist. Dem abgesetzten, schwedischen König Erik XIV sagt man, wurde nicht Salz, sondern Arsen in die Suppe gestreut. Diesen Vorfall hat sich offensichtlich der Suppenkasper zum Beispiel genommen… Das Unglück sollte allerdings den Erbsen nicht angelastet werden. Denn diese sind vielmehr zum Sterben unwiderstehlich!

*Gemeint ist typisch schwedischer „sylt“. Sylt ist eine Art Fruchtsauce die sich von Marmelade durch eine dünnere Konsistenz unterscheidet, zumeist aber ganz ähnlich verwendet wird.

 

Text: Line Grube, 2021
Illustration: Line Grube, ”Von Prinzessinnen, Erbsen & Pfannkuchen“, Aquarellkollage, 2021.
Foto: Line Grube, „Soldatens ärtsoppa“ (Erbsensuppe für Soldaten), 2020. Ein schwedischer Klassiker perfekt zum Campen und Studieren.

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert